Was KMU brauchen, damit sie KI nutzen können

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Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz war ursprünglich eine Sache der großen Unternehmen, für KMU kamen KI-Anwendungen aufgrund des fehlenden Know-hows und der hohen Entwicklungskosten zunächst nicht in Betracht. Laut dem Kurzbericht „Wie KMU Künstliche Intelligenz nutzen“, für den das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Unternehmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungsbereichen befragt hatte, setzten zum Befragungszeitpunkt im Frühjahr des vergangenen Jahres bereits mehr als 17 Prozent der KMU KI ein – allerdings gehen andere Umfrage von einem deutlich geringeren Nutzeranteil aus. Unbestreitbar machen den kleineren Unternehmen inzwischen eine Vielzahl von Use Cases sowie Angebote in Form niedrigschwelliger Plattformlösungen und vorgefertigter Anwendungen den Einstieg leichter. Sind wir also schon so weit, dass ab dem nächsten Ersten KI die Aufgaben übernimmt, die mangels Fachkraft in den letzten Wochen und Monaten von den Kollegen und Kolleginnen miterledigt werden musste?

Fragen über Fragen

Schön wäre es, aber so schnell geht es leider nicht. KI ist bei weitem komplexer als alle Lösungen zuvor und wirkt sich deutlich stärker auf die Gesamtheit der Organisation aus – manche sprechen in diesem Zusammenhang von Umwälzung. Umso mehr Fragen wirft KI auf: Welche Möglichkeiten bietet KI überhaupt, und welche für unser Unternehmen? In welchen Geschäftsbereichen können wir KI überhaupt einsetzen, und welche Voraussetzungen müssen wir dafür mitbringen oder schaffen? Was müssen wir uns an Know-how aneignen, brauchen wir neue Fachkräfte? Gibt es bereits anwenderfreundliche Lösungen für unsere Problemstellung, und wenn ja, welche wäre für uns geeignet? Wie hoch sind die Investitionen, und ab wann machen sie sich bezahlt? Und irgendwann tauchen Fragen nach dem Datenschutz, der Transparenz von KI-Anwendungen oder ethischem KI-Einsatz auf. 

Roadmap für den Einstieg

Die Erhebung „Künstliche Intelligenz im Mittelstand“ der Begleitforschung des Netzwerkes Mittelstand-Digital gibt KMU für die Beschäftigung mit dem Thema KI Anregungen und erste Orientierung. Eine Roadmap hilft, mit der Erarbeitung von Grundlagen die Weichen zu stellen – die Nutzung von KI ist eine strategische Entscheidung, die Einführung Chefsache und gehört in die Hand der Geschäftsleitung. Den Anfang macht eine gründliche Informationsbeschaffung, auf die eine systematische Vorbereitung folgt mit der Identifizierung von Anwendungsfällen. Dazu bietet Mittelstand-Digital auf der Webseite Use Cases aus unterschiedlichen Bereichen an, darunter auch zur automatisierten Verarbeitung von Dokumenten. Zur Vorbereitung gehören weiterhin die Definition von Prozessen und die Erhebung und Auswertung von Daten. Weiter geht es mit der Konzepterstellung, bei der zu entscheiden ist, ob eine Eigenentwicklung notwendig ist oder „KI von der Stange“, gegebenenfalls mit Anpassungen, die bessere Wahl ist. Zudem müssen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ins Boot geholt und gegebenenfalls entsprechend des Konzeptes geschult werden.

„Ersthelfer“ mit viel Erfahrung

Für die gesamte Strecke der vorbereitenden Aufgaben finden die Unternehmen Hilfestellung bei den KI-Trainern des Netzwerks, das auf Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz KMU seit zehn Jahren bei der digitalen Transformation unterstützt und inzwischen den Schwerpunkt auf die Nutzung von KI verschoben hat. Sie sind die Wegbegleiter von den ersten Überlegungen zur Nutzung von KI bis zum Schnittpunkt, an dem die Entwicklung einer eigenen oder die Implementierung einer handelsüblichen Lösung beginnt, und vor Ort aktiv mit Unternehmensbesuchen, Vorträgen und Workshops fortgesetzt wird. Weiterhin unterhält Mittelstand-Digital als Anlaufstellen bundesweit Kompetenzzentren.

Fazit

Für die Entscheidung, KI zu nutzen, benötigen viele KMU einen Anstoß von außen. Dafür sind Use Cases geeignet. Sie zeigen, was sinnvoll und machbar ist und zügig zu Effizienzsteigerungen führt. Der IW-Kurzbericht schlägt zudem den Einsatz von KI in öffentlichen Einrichtungen als Mutmacher und vertrauensbildende Maßnahme vor. Und dann müssen die Unternehmen erst einmal ein gewisses Know-how in der Geschäftsleitung und bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aufbauen. Schnell geht das alles nicht, auch wenn finanzielle Anreize laut den KI-Trainern Entscheidungen erleichtern können. Erst wenn die Basics stehen, kommt Schwung in die Sache. Unternehmen, die nicht mehr lange auf Kollegin KI warten wollen, sollten die Vorbereitungen nicht auf die lange Bank schieben.