Künstliche Intelligenz: Nimmt sie uns Arbeit ab – oder weg?

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Seit einigen Jahren prognostizieren Berechnungen und Untersuchungen immer wieder, dass KI Unmengen von Arbeitsplätzen überflüssig machen könnte. Von bis zur Hälfte aller derzeitigen Arbeitsplätze ist da die Rede. Allerdings gelten viele solcher Prognosen aus wissenschaftlicher Sicht als nicht seriös. Trotzdem führen derartige Zahlen bei vielen Menschen zu Verunsicherung und Angst vor Arbeitsplatzverlust durch den Einsatz KI-gestützter Lösungen.

Durch neue Technologien gehen Jobs verloren

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass neue Technologien und Technologiesprünge in der Tat Tätigkeitsbereiche überflüssig gemacht haben. Man denke an die Veränderungen, die der mechanische Webstuhl, das Automobil und in jüngerer Zeit der PC oder der Montageroboter hervorgerufen haben. Das ist auch bei KI nicht anders. Allerdings haben sich seit dem mechanischen Webstuhl die Verhältnisse geändert, und es sprechen einige Faktoren dafür, dass die Angst vor Arbeitsplatzverlust für die allermeisten Berufstätigen gegenstandslos ist.

KI-Anwendungen halten Beschäftigten den Rücken frei

Da ist zunächst einmal der demographische Faktor. In den kommenden Jahren gehen die Babyboomer, die starken Jahrgänge der zwischen Mitte der 50er und der 60er Jahre Geborenen, in den Ruhestand, und deutlich weniger Berufseinsteiger rücken nach. Er verschärft weiterhin den ohnehin bestehenden Fachkräftemangel, den Statista zufolge mehr 40 Prozent der Unternehmen deutlich spüren. Sie befürchten Umsatzeinbußen oder dass sie Umsatzpotenzial nicht realisieren können, weil ihnen qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fehlen. Hier können KI-Anwendungen helfen, die Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung auszugleichen. Indem sie für Routinetätigkeiten eingesetzt werden und Mitarbeiter davon entlasten, schaffen sie bei ihnen die zeitlichen Ressourcen für andere, anspruchsvollere Tätigkeiten und neue Einsatzmöglichkeiten. 

Neue Tätigkeiten, neue Jobs

Wie beim Aufkommen des Automobils statt der Kutscher Chauffeure und statt der Pferdeknechte und Hufschmiede Automechaniker und Tankwarte gebraucht wurden, wird das Wegfallen von Tätigkeitsfeldern durch KI kompensiert durch die Entstehung neuer Geschäftsmodelle, neuer Berufe, neuer Arbeitsplätze. In der Broschüre „Zentrale Befunde zu aktuellen Arbeitsmarktthemen 2021/2022“ geht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) davon aus, dass der Wegfall von Jobs durch Digitalisierung, was die Nutzung von KI einschließt, durch die Zahl neu entstehender ausgeglichen wird. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) prognostiziert im „Fachkräftemonitoring den Wegfall von 5,3 Millionen Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2040 im Vergleich zu 2020 und die Neuentstehung von 3,6 Millionen Arbeitsplätzen. Dabei rechnet es einen Großteil des Wegfalls nicht der Digitalisierung, sondern der demographischen Entwicklung zu – und kommt unter dem Strich ebenfalls zu einer ausgeglichenen Bilanz. Zur Einordnung der Zahlen: In Deutschland waren im Jahr 2020 mehr als 33 Millionen Personen versicherungspflichtig beschäftigt.

Besser werden statt einsparen

Derzeit sieht es Untersuchen zufolge so aus (PwCMittelstand Digital) dass Unternehmen mehrheitlich nicht in KI-Lösungen investieren mit dem Ziel, Arbeitskräfte einzusparen oder durch Maschinen zu ersetzen, sondern zur Unterstützung der menschlichen Arbeit. Ihnen geht es darum, die Produktivität zu erhöhen, Produkte und Dienstleistungen zu verbessern und Prozesse zu optimieren. So setzen sie beispielsweise KI ein, um Produktionssysteme vorausschauend zu warten und Wartungszyklen sinnvoll zu planen und dadurch Stillstands- und Ausfallzeiten zu reduzieren. Oder um in Vertrieb und Marketing neue Zugänge zu den Kunden zu gewinnen. Für diese neuen Aufgaben benötigen sie qualifiziertes Personal, das sie bei leergefegtem Fachkräfte-Arbeitsmarkt sinnvollerweise aus den eigenen Reihen rekrutieren und ggf. entsprechend weiterbilden.

Fazit

Technologische Umbrüche passieren nicht von heute auf morgen. Auf dem Weg in eine KI-gestützte Arbeitswelt werden sich auf dem Arbeitsmarkt jede Menge Gelegenheiten auftun, im angestammten Arbeitsbereich neue, anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen oder neu entstehende Arbeitsbereiche mitzugestalten oder dorthin zu wechseln. Angst vor Arbeitsplatzverlust ist da eher hinderlich und trübt den Blick für die Chancen, sich zu verändern oder neu zu orientieren.